Berichte von 08/2014

Samstag, 30.08.2014

Tour durch Ostbali

Nach zwei Nächten in Ubud ging es los auf unsere zweitägige Tour mit eigenem Fahrer durch Ost-Bali. Am ersten Tag sind wir Richtung Norden bis fast zum Batur See gefahren und dann wieder in Richtung Süden bis nach Sidemen. Am zweiten Tag ging es dann von Sidemen weiter in Richtung Osten, das letzte Stück bis Amed sind wir an der Küste entlanggefahren.

Tag 1

Überpünktlich wurden wir am Morgen von unserem Fahrer erwartet und wir fuhren los in Richtung Goa Gajah. Unser Fahrer war Nyoman, ihn hatten wir gebucht, weil er deutsch spricht. Sein deutsch war auch gar nicht schlecht, aber man merkte ihm an, dass er es nach und nach mit seinen Kunden gelernt hatte, denn eigentlich war es oft ein Mischmasch aus deutsch und englisch. Allerdings war ihm das entweder nicht bewusst oder egal, denn oft benutzte er ein englisches Wort ohne sich darum zu bemühen, auf das deutsche zu kommen. Außerdem hatte er noch einen indonesischen Akzent. An den bin ich gewöhnt und englisch ist hier normalerweise auch meine Alltagssprache, so hatte ich meistens kein Problem ihn zu verstehen (außer er redete konfuses Zeug über irgendwelche Götter, die mir nichts sagten). Meine Mutter hatte da jedoch größere Probleme.

Goa Gajah

Nach kurzer Zeit kamen wir bei Goa Gajah an. Dort befindet sich eine alte Badeanlage mit heiligem Wasser und eine Höhle, die Elefantenhöhle genannt wird. Den Namen bekam sie wohl von einem Archäologen, für den der Eingang wie ein Elefantenkopf aussah, Elefanten gab es auf Bali allerdings früher nicht. In der Höhle stehen Schreine, auf denen Statuen von verschiedenen Göttern stehen. Schön war an Goa Gajah insbesondere auch die Umgebung, die Anlage war komplett von Wald umgeben.

Eingang zur

Auf der Anlage begleitete uns unser Fahrer und erzählte uns mehr oder weniger verständlich Dinge über die Höhle und die gesamte Anlage. Wir wunderten uns etwas über einen großen Baum, um den ein Tuch gewickelt war. Nyoman meinte, das die Balinesen bei allen Lebewesen einen menschlichen Teil sehen und deshalb den Baum anziehen, genauso wie viele Statuen von Göttern. Nach dem Besuch der Höhle ging es dann weiter zum Tempel Pura Gunung Kawi. Um dorthin zu kommen musste man 300 Stufen nach unten gehen, weshalb, so denken wir, unser Fahrer auf das Mitkommen verzichtete. Wir waren eigentlich ganz froh darüber, einmal eine Pause zu haben, er strengte irgendwie an, auch wenn es öfter interessant war, was er sagte.

Pura Gunung Kawi

Auf dem Weg runter zum Tempel kam man an sehr schönen Reisterrassen vorbei, zwischen den beiden Stellen, wo Monumente in den Stein gehauen waren, war ein Fluss. Auch hier war es vor allem die Landschaft, die uns begeisterte, auch wenn der Tempel ebenfalls interessant war, immerhin ist er schon aus dem 11. Jahrhundert. Er ist ein Denkmal an eine Königsfamilie aus dieser Zeit - Gräber gibt es bei Hinduisten nicht, da die Menschen verbrannt und die Asche dann verstreut wird. 

Pura Gunung Kawi Fluss Reisterrassen

Pura Tirta Empul - heliges Wasser 

Als nächstes ging es zum Tempel des heiligen Wassers, dem Pura Tirta Empul. Dort gehen Balinesen hin, um ihre Sünden von den Körpern zu waschen. Nyoman erzählte uns, dass die Balinesen kein Problem mit Ausländern hätten, die sich dort ebenso waschen, so lange sie spirituell seien. Es gibt viele verschiedenen Duschen, jede hat eine bestimmte Bedeutung, zum Beispiel gegen böse gesagte Worte, schlechte Träume, gegen schlechte Knochen, schlimme Krankheit, für Fruchtbarkeit, etc. 

Nicht nur Menschen können sich dort reinigen, auch Tempelelemente können gereiningt werden. Als wir da waren, hat ein Dorf gerade die Schreine aus dem Dorftempel gereinigt und ist dann in einer Prozessions aus dem Tempel rausgezogen. Die Leute waren sehr festlich angezogen und es gab sogar ein recht großes Orchester, das gespielt hat. Ganz niedlich war es auch, wie die Leute vom Orchester beim Warten mit einem kleinen weißen Mädchen gespielt haben, das immer auf die Trommel haute und dann wegrannte, nur um gleich wiederzukommen. Die Trommler und das Mädchen hatten sehr viel Spaß 

reinwaschen reinwaschen reinwaschen Das Orchester beim Warten Vorbereitung auf den Auszug Prozession Prozession Prozession

Pura Besakih

Als letztes fuhren wir noch zum Muttertempel Balis, dem Besakih. Dort war ich schon auf meiner Lovina Tour und da es ähnlich bewölkt war wie damals, habe ich gar keine Fotos mehr gemacht. Ein Fortschritt war es allerdings, dass wir uns dieses Mal tatsächlich gegen die sogenannten Tempelwächte durchgesetzt haben und keinen Führer bezahlen mussten, sondern alleine über die Anlage gehen konnten. Krass war aber dieses Mal auch die Abzocke am Eingang, Zusätzlich zum Ticket sollte man noch eine Spende zahlen, die dokumentiert wurde. Auf dem ganzen Zettel standen nur Zahlen in 6 stelliger Höhe (100.000 Rp = 6,50 €), aber unser Fahrer hatte uns schon gesagt, dass die Leute einfach nach dem Eintragen noch eine Null dazuschreiben, damit es mehr aussieht und die Leute ein schlechtes Gewissen haben, weniger zu zahlen.

Sidemen

Schließlich, nach 4 Tempeln an einem Tag, fuhren wir zu unserem Hotel nach Sidemen. Es liegt in einem kleinen Dorf in den Bergen umgeben von Reisterrassen. Das Zimmer war sehr nett, die Leute freundlich und man hatte einen sehr schönen Ausblick. Das Bad war besonders schön, in der Dusche lagen viele kleine Steine und zum Rand hin war sie offen, sodass man an der Seite einige Pflanzen hatte. Auch das Zimmer selber war nach oben hin offen, sodass es nachts auch ohne Klimaanlage durch die Lage in den Bergen recht kühl wurde.

Dusche in Sidemen Ausblick vom Hotel in Sidemen

Tag 2

Am nächsten Tag ging es mit Nyoman weiter. Zuerst konnten wir die schöne Landschaft rund um Sidemen genießen. Dort wird nicht nur Reis angebaut, sondern auch sehr viel Obst und etwas Gemüse. WIr haben auf dem Weg Chilis, Schlangenhautfrüchte, Mandarinen, Kokosnüsse, Bohnen, Papaya, Kakao, Mais und noch ein paar uns unbekannte Sachen gesehen.

Chilis Landschaft um Sidemen Landschaft um Sidemen

Tirtagangga

Unser erster Stopp war der Wasserpalast Tirtagangga. Dieser wurde als weitere Residenz vom König in Klungkung gebaut. Wir fanden die Anlage beide sehr schön, es gab große Wasserbecken, kleine Brücken, einen Weg aus Steinen, auf dem man "über das Wasser gehen" konnte und richtig schöne Pflanzen drumherum. Ein Becken darf sogar wirklich genutzt werden, gegen Eintritt darf man darin baden, was einige Kinder auch getan haben.

Tirtagangga Tirtagangga Tirtagangga Blumen beim Tirtagangga Blumen beim Tirtagangga Baden im Tirtagangga Pflanzen am Tirtagangga

Taman Ujung

Auf dem Programm stand an diesem Tag noch ein weiterer Wasserpalast, der Taman Ujung. Ursprünglich war auch er von einem balinesischen König erbaut worden, allerdings wurde er stark durch Erdbeben und Vulkanausbruch beschädigt. Nun wurde die Anlage daneben neu aufgebaut, größer als zuvor. Die Anlage existiert laut unserem Fahrer quasi nur für die Touristen und irgendwie ist es seltsam, wenn man die riesige Anlage betrachtet und sie gar keinen tieferen Sinn hat. Sie heißt zwar Wasserpalast, war aber nie ein Palast. Sehr schön war sie aber trotzdem und von einem Aussichtspunkt hatte man einen richtig tollen Blick über die Anlage und bis auf das Meer.

Taman Ujung Relief am Taman Ujung Frangipani Bäume gibt es nicht nur am Taman Ujung, sondern überall auf der Insel. Die Blüten werden für Zeremonien, in Hotels und Spas verwendet. Ausblick auf den

Küstenstraße

Der letzte Teil unserer Tour war die Küstenstraße vom Taman Ujung bis zu unserem Hotel in Amed. Die Straße ist sehr wenig befahren, insbesondere von Touristen. Die Küste ist sehr steil und so ist man nur manchmal nah am Meer und fährt sonst durch die Berge. Dabei kommt man durch viele kleine absolut untouristische Dörfer, in denen alle möglichen Tiere (Hühner, Hund, Ferkel, Küken) auf der Straße rumlaufen. Am Ende wurde es dann schlagartig sehr touristisch und man sah ein teures Hotel mit Meerblick nach dem anderen, bis wir bei unserem Hotel (derselben Kategorie) ankamen. Die gebuchte Tour war damit zu Ende, in Ostbali sind wir allerdings noch 4 weitere Nächte.

Freitag, 29.08.2014

Ubud und Fahrrad Tour durch die Berge

Am Mittwoch Nachmittag machte ich etwas früher mit der Arbeit Schluss und fuhr mit meiner Mutter nach Ubud. Endlich kann ich ihren Urlaub auch mit ihr gemeinsam verbringen. Mit dem Taxi ging es zum Hotel, wo wir noch in den Pool sprangen. Das Hotel liegt direkt an einer tagsüber stark verstopften Straße, aber zur Straße hin ist nur das Restaurant. Zu den Hotelzimmern geht es dann den Berg runter, wodurch man in diesen gar nichts mehr von der Straße mitbekommt. Für den Preis in europäischer Höhe wird täglich von einer Armee von Angestellten täglich jede Ecke gefegt und jede Pflanze gepflegt. Das ist mal eine ganz nette Abwechslug zu dem Müll, den man sonst immer so viel sieht. Wir hatten ein nettes Zimmer mit Wohnzimmer-Ecke und einer kleinen Terrasse.

  Hoteleingang Unsere Terrasse Pool schöne Pflanzen im Hotel

Abends schlenderten wir noch etwas durch den Ort und durch die kleinen Läden. Neben den üblichen Touristensachen, wie es sie auch in Sanur viel gibt, gibt es hier auch einige nette Läden mit individuelleren Kleidungsstücken, Taschen oder Schuhen.

Fahrrad-Tour

Am nächsten Morgen ging es dann los zu einer Fahrrad-Tour durch die Berge und Döfer. Etwas nervig war das losfahren. Während uns eine Uhrzeit zwischen 7:30 Uhr und 8:15 Uhr gesagt wurde, hatten die anderen Leute in Ubud wohl 9:00 Uhr als Abfahrtszeit genannt bekommen. Wir waren also schon um 7:20 Uhr beim Frühstück und haben danach gewartet, um 8:30 Uhr kam dann endlich der Fahrer. Das französische Pärchen aus dem nächsten Hotel war aber noch nicht fertig, so dass wir eine halbe Stunde auf sie warten mussten...

Dann ging die Fahrt aber endlich los, wir fuhren in Richtung Norden zum Batur See. Die Fahrt war schon sehr schön, insbesondere für meine Mutter, die bis dahin fast nur bebautes Gebiet gesehen hatte. Nun sahen wir ein paar Wälder und viele Reisfelder. Auf dem Weg wurde dann noch ein Stopp bei einem Kaffeeproduzenten eingelegt. Dieser stellt auch den Luwak-Kaffee her, den teuersten Kaffee der Welt. Die Bohnen werden dabei von den katzenartigen Luwaks gegessen, die Kerne wieder ausgeschieden und dann zum Kaffee verarbeitet. Luwaks konnte man auch sehen, aber sie taten mir ziemlich Leid, wie sie traurig in ihren kleinen Käfigen saßen. Ob der Kaffee das Wert ist? Es war aber auf jeden Fall ganz interessant mal die Kaffepflanzen mit ihren reifen, roten Früchten, viele Öbstbäume und Zitronengras zu sehen. Mir war vorher gar nicht bewusst, dass Ananas ein Bodengewächs ist.

eingesperrte Luwak Katze

Ausblick

Der Verkaufsstopp hat sich bei unserer Gruppe für den Kaffeeproduzenten nicht gelohnt, denn keiner hat etwas gekauft. Es ging dann weiter zum Frühstück, das wir mit Blick auf den Batur See und Vulkan serviert bekamen. Zum Glück hatten wir schon gefrühstückt, denn von dem Essen bestehend aus einem dünnen Omelette oder einem Pfannkuchen wären wir sonst nicht satt geworden. Nach einer weiteren Wartepause konnten wir zu unseren Fahrrädern fahren.

Ausblick auf den Batur Vulkan und See

Fahrt

Dann ging es los über kleine Straßen und Wege, durch Dörfer und vorbei an unzähligen Tempeln. Am ersten Halt konnten wir Spinnen anschauen. Diese sind dort, weil Fliegen von dem dort verwendeten Naturdünger angelockt werden und die Spinnen dann die Fliegen fressen. Meine Mutter ließ eine Spinne sogar über ihren Arm krabbeln, ich hatte irgendwie nicht das Bedürfnis dazu.

Spinnen

Außerdem sahen wir noch ein Dorf, wo so gut wie jedes Haus eine Tempelwerkstatt war. Allerdings wurden die Tempelelemente dort nicht aus Steinen gehauen, sondern zuerst die Grobform aus Beton gegossen. Erst dann wurden die Feinheiten in Handarbeit ausgearbeitet.

Die Feinheiten der Tempelelemente werden in Handarbeit eingeritzt

Zwischendrin fuhren wir zweimal durch Wälder offroad und durch viele Reisfelder, die an Straßen entlang lagen. Im Wald konnte man auch wieder verschiedene Früchte wachsen sehen, viele davon kannte man gar nicht. Leider hatte die Französin aus unserer Gruppe bei einer bergab Fahrt im Wald einen Unfall, sie ist irgendwie ausgerutscht und hat dann einen Schlag auf den Rücken bekommen. Danach hatte sie starke Schmerzen und die Tour war für sie beendet. Das wünscht man sich und anderen ja wirklich nicht! Für uns bedeutete das ganze aber noch eine ganze Menge weitere Warterei, erst das Auto kam, um sie abzuholen und dann noch viel länger, bis das Rad abgeholt werden konnte. Das mit dem Warten an dem Tag war irgendwie etwas zu viel für uns auf Effizienz bedachte Deutsche 

mit dem Fahrrad durch den Wald

Abend in Ubud

Zurück in Ubud standen wir erstmal im Stau. Da es so gut wie gar nicht voran ging, entschlossen wir uns auszusteigen und den Rest zu laufen (1,5km). Auf dem Weg sahen wir noch mehrere schöne Tempel und einen Garten. Danach gingen wir noch auf dem Markt, wo man sehr günstig Kleidung und Souvenirs kaufen konnte. Und nach den ganzen Strapazen des Tages gönnten wir uns beide noch 1,5h Massage, das ist echt schön, dass man sich das hier leisten kann!

Garten in Ubud spielende Kinder am Markt

An den nächsten beiden Tagen werden wir jetzt mit einem Fahrer einen Teil der Insel erkunden und dann am Strand enstpannen und schnorcheln. 

Freitag, 22.08.2014

Arbeit und Sport am Wochenende

Nach der Idul Fitri Ferienwoche ging es mit der Arbeit weiter. Außerdem musste ich eine neue Wohnung finden, da mein Vertrag am 12. August auslief. Also ging ich wieder abends nach der Arbeit zusammen mit Julio und Casey auf die Suche und wurde schließlich fündig. Das neue Zimmer ist nicht weit von meinem alten entfernt, aber nicht direkt an der großen Straße. Es hat keine Küche und ist etwas kleiner, hat aber auch ein Bad und einen Kühlschrank und somit eigentlich alles, was ich brauche. Strom und Putzen ist nach Verbrauch, aber selbst wenn man das einrechnet kostet es nur noch 145€ statt 225€. Dadurch gibt es dann mehr Geld für Reisen :)

Den Samstag verbrachte ich dann einen Tag mit Packen und der Suche nach einer Surfschule. Ich habe eine gute Surfschule gefunden, Bali Green Surf. Die Lehrer sind alle Indonesier, sprechen aber fließend Englisch. Und das Konzept der Schule ist, mit der Hälfte des Gewinns soziale balinesische Projekte zu unterstützen (finanziell) und außerdem bringen sie Kindern aus Waisenhäusern Surfen und Englisch bei. Gefunden habe ich die Surfschule auf dem Blog Indojunkie, wenn es euch interessiert, könnt ihr das Interview mit den Jungs von der Surfschule lesen.

Am Samstag hatte ich schon zwei Ladungen mit Gepäck in mein neues Zimmer gebracht, am Sonntag brachte ich morgens den Rest. Dann ging es los zum Surfen. Aufgrund der Windrichtung kann man zu dieser Jahreszeit nicht an der Küste in Sanur surfen und so muss man an die Westküste nach Kuta, Legian oder Seminyak. Bali Green Surf liegt in Seminyak und so fuhr ich etwa 40min dorthin. Angekommen bekam ich ein Wasser und wartete, bis alles vorbereitet war. Dann fuhr ich mit meinem 15-jährigen Surflehrer, der älter wirkte, an den Strand und begann meine 2,5h lange Surfstunde.

Zuerst ging es mit der Theorie am Strand los. Ich erfuhr, wie das Surfboard aufgebaut ist, wie das Surfen in der Theorie geht und bei welchem Wind man am besten surfen kann. Nach einigen Trockenübungen am Strand ging es los ins Meer. Noch ziemlich nah am Strand bei etwa brusthohem Wasser legte ich mich aufs Brett und mein Surflehrer gab mir einen Stoß, wenn die (schon gebrochene) Welle kam. Und ich versuchte aufzustehen. Am Anfang übte ich definitiv am meisten, mich richtig fallen zu lassen (was mir auch vorher am Strand erklärt wurde). Nach einer kurzen weiteren Trockenübung am Strand wurde es etwas besser, ich stand sogar ganz kurz mal) und irgendwann schaffte ich dann das Aufstehen und blieb mehrere Meter lang auf einer gebrochenen Welle stehen. Dann wurde es wieder schwieriger, ich war wohl einfach etwas fertig.

Dann haben wir zum Glück eine Pause gemacht. Danach wurde es deutlich besser, ich schaffte nun fast immer das Aufstehen und begann mit dem Reinpaddeln in die Welle. Am Ende schaffte ich das dann ganz alleine, auch wenn mir der Surflehrer immer noch mit dem Timing half. Zum Ende der Surfstunde versuchten wir dann, gemeinsam auf dem Surfboard zu stehen, aber das war nicht der ganz große Erfolg ;)

Insgesamt war ich positiv überrascht, wie weit ich in einer Surfstunde gekommen bin. Andererseits bin ich nur in den gebrochenen Wellen auf einem riesigen, dicken Board gesurft, was viel zusätzliche Stabilität gibt. Wenn ich mir vorstelle, auf einem der Surfboards zu surfen, wie sie richtige Surfer habe, sehe ich noch viel Arbeit vor mir. Außerdem ist man die meiste Zeit damit beschäftigt, zurück an eine gute Stelle zu laufen bzw. später zu schwimmen, um dann auf eine gute Welle zu warten. Und schließlich muss man schon ganz schön weit fahren, um zu dieser Jahreszeit zu surfen. Deshalb bin ich mir im Moment nicht sicher, ob ich mit dem Surfen weitermachen möchte, und daher habe ich es seit zwei Wochen in diesem Schwebezustand gelassen.

In der nächsten Woche arbeitete ich viel an einem Projekt mit einer LEED-Nachhaltigkeitszertifizierung, für das ich die Dokumentation vorbereitete. Am Wochenende probierte ich dann Yoga aus, was eine sportliche Alternative zum Surfen sein könnte und in der Nähe am Strand stattfindet. Zusammen mit Casey ging ich in meine erste Stunde. Auch wenn ich es irgendwie nicht ganz geschafft habe, mein Herz für die ganze Welt zu öffnen, auch für Leute die ich nicht mag usw. war es eine schöne Stunde. Teilweise war es schon anstrengend, aber ich mag das Konzept, dass man auf seinen Körper hören soll und nicht eine Übung auf Teufel komm raus durchführt, auch wenn man dabei Schmerzen hat. Und gab es eine schöne Entspannungsphase.

Die letze Arbeitswoche war nun etwas intensiver, sodass ich am Mittwoch schon das Gefühl hatte, dass es Freitag wäre. Montag bis Mittwoch waren drei Kollegen in Bali, die sonst in Jakarta arbeiten und so mussten alle gemeinsamen Projekte durchgesprochen werden. Am Mittwoch hatte ich dann mein erstes Audit. Zusammen mit Dan und Puspita legte ich Datenlogger zur Messung der Temperatur im Kongresszentrum in Nusa Dua aus und die Ingenieure von dem Zentrum brachten sie an den Schaltkästen für die Klimaanlagen an. In ein oder zwei Wochen holen wir sie dann wieder ab und werten die Daten aus. Hoffentlich finden wir alle wieder, denn sie wurden an Stellen angebracht, wo man sie nicht sehen kann. In einer Halle war die einzige Möglichkeit, die wir gesehen haben direkt unter der Decke und so fuhr ich mit einem Hubwagen hinauf um den Datenlogger dorthin zu legen.

Audit Audit Audit Aut

Am Samstag kommt schon meine Mutter nach Bali :) Von Montag bis Mittwoch werde ich noch arbeiten, dann werde ich mit ihr über die Insel fahren!

P.S. Falls jemand etwas an die alte Adresse (Jl Tirta Nadi) geschickt hat, bitte Bescheid sagen.

Montag, 04.08.2014

Yogyakarta

Als ich am Mittwoch in Jogja ankam, hatte ich noch nichts großartiges für die nächsten Tage geplant. Ich habe daher einfach in den Tag hineingelebt und die Sachen auf mich zukommen lassen. Dabei habe ich viel gelesen und viel im Stau gestanden.

Jogja hat 1,5 Millionen Einwohner, ist also schon eine sehr große Stadt. Während der Feier zum Ende des Ramadan ist es dort immer besonders voll, da viele Menschen aus Jogja woanders arbeiten, aber dann ihre Familien besuchen. Auch wenn die Feiertage am Mittwoch vorbei waren, waren immer noch viele Geschäfte geschlossen und so habe ich zum Beispiel ewig nach einer Wäscherei gesucht.

An einem Vormittag war ich im Wasserschloss Taman Sari, ein Palast, den ein früherer Sultan für sein Vergnügen abseits der Öffentlichkeit hat bauen lassen. Der größte Teil der Gebäude ist zerstört, nur zwei Pools sind restauriert und können besichtigt werden. Viel spannender fand ich aber den Rest des ehemaligen Schlosses. An vielen Stellen konnte man noch Mauern oder kleine Gebäudeteile sehen, diese waren aber komplett umbaut mit Wohnhäusern. Während in Europa solch eine hisorische Städte wohl abgesperrt werden würde, war sie dort vollkommen in das Wohngebiet integriert und überall hat man einen weiteren Teil der alten Anlage gefunden.

Taman Sari Taman Sari links Teile des alten Wasserschlosses, rechts Wohnhäuser Vorne Ruine, hinten Haus

 Sultanspalast im Kraton

Der Sultan lebt im Stadtteil Kraton, der von Mauern umgeben ist. Den Sultanspalast kann man zu großen Teilen auch besichtigen. WIrklich schön fand ich ihn aber nicht, wenn man die Gebäude mit ihren dünnen Dächern, teilweise aus Wellblech, sieht, bekommen die historischen Gebäude in Europa eine ganz andere Bedeutung (auch wenn die alten Tempel hier natürlich auch beeindruckend sind). Ich habe allerdings festgestellt, dass ich nur die etwas schöneren Gebäude fotografiert habe. Insgesamt musste ich während meines Urlaubs öfter an meine Urlaube in Italien denken, schon alleine, weil ich das Essen vermisse. Und dabei habe ich die Stadt mit dem verglichen, was ich sonst so kenne. Normalerweise nehme ich etwas einfach hin, ohne groß darüber nachzudenken. Auf jeden Fall nahm ich alles etwas bewusster wahr und weiß jetzt gepflegte, saubere Straßen mit angelegtem Bürgersteig und ordentlich aussehenden Häuser etwas mehr zu schätzen. Natürlich geht es auch so, aber irgendwie ist es doch schon hässlich.

Sultanspalast Sultanspalast (der Teil, den ich am schönsten fand) Sultanspalast

Kulturschock?

In Jogja ging mir generell einiges zum ersten Mal richtig auf die Nerven, die Ineffizienz im Verkehrssystem (verdient es den Namen System überhaupt?) und der Müll überall. Und das ich manchmal unfreundlich zu freundlichen Menschen bin, weil es viel zu viele aufdringliche Leute gibt, die einem unbedingt etwas andrehen wollen. Deshalb war ich generell ziemlich abweisen eingestellt und habe die meisten Menschen, wenn sie mich angesprochen haben, einfach ignoriert. Und mich dabei irgendwie schlecht gefühlt, vielleicht wollten sie ja wirklich nur nett sein? Und selbst die aufdringlichen Leute kann man ja irgendwie verstehen, es geht bei vielen ja um die Existenz. Das fand ich daher nervig und etwas bedrückend. Ich hatte das Gefühl, dass ich so langsam von der Euphorie-Phase in die Genervt-Phase des Kulturschocks überging.

Strand

An einem Nachmittag habe ich mich mit Puji, vier von ihren Cousins und noch ein paar Freunden von denen getroffen. Zusammen sind wir etwa 60km bis zu einem Strand gefahren. Zuerst hieß es, es ist etwa eine Stunde Fahrt, auf dem Hinweg waren es am Ende 2,5h mit Pause. Zum Ende hin wurde die Straße wirklich voll und wenn wir nicht mit dem Roller an den Autos hätten vorbeifahren können, wären wir wohl zu spät für den Sonnenuntergang angekommen. Wir saßen am Strand und haben den Sonnenuntergang angeschaut und dabei haben die Jungs versucht mit mir zu kommunizieren. Das stellte sich aufgrund meiner schlechten Indonesisch und deren schlechten Englischkenntnisse allerdings als etwas schwierig heraus.

Die wollten alles Mögliche von mir wissen, wie alt ich bin, was meine Lieblingsmusik ist (öh, keine Ahnung? Ein paar deutsche Bands vielleicht, die ihr eh nicht kennt?), aus welcher Stadt Mercedes und Audi kommen, ob es einen deutschen Nähmaschinenhersteller gibt (äh, bestimmt?), wie ich Hitler finde (schwierig in sehr einfachem englisch zu beschreiben, wir mögen ihn nicht?) und wie ich mich gefühlt habe, als Deutschland die WM gewonnen hat (das einzige was mir dazu eingefallen ist, war "müde!...).Nach etwa einer Stunde fuhren wir dann zurück nach Jogja. Auf dem Rückweg hatten wir eigentlich nur Stau und hätten wir nicht mit dem Roller immer mal wieder an den Austos vorbeifahren können, hätte es wohl 6 statt so 3,5h gedauert.

Alun-Alun

Zum Abendessen fuhren wir zu einer großen Freifläche im Zentrum von Jogja. Darum fahren abends ganz viele Fahrräder in Autoform, die mit vielen LEDs verziert sind. Zum Essen konnten wir uns auf einen Teppich auf den Boden setzen. Zwischendrin gab es immermal irgendwo Feuerwerk und viele Leute haben kleine LEDs hochgeworfen, die dann mit einer Art Fallschirm wieder runterschwebten. Die Atmosphäre war schon toll, perfekt wäre sie gewesen, wenn um das Feld herum nicht auch tausende Roller und Autos gefahren wären.

LED-Fahrrad-Auto LED-Fahrrad-Auto LED-Fahrrad-Autos

Der Verkehr ist Jogja wirklich anstrengend gewesen. Sehr angenehm waren die Busse, die in einem festgelegten Netz eigentlich alle Bereiche der Stadt miteinander verbinden und auch zum Flughafen und zum Prambanan Tempel fahren (0,20€/Fahrt). Allerdings stand man auch mit den Bussen ständig im Stau. Überall war durch die Abgase schlechte Luft und auch sonst war es nicht besonders sauber, sodass man am Ende des Tages immer einen Schmutzfilm auf der Haut hatte. Das hat mich in der Stadt wirklich sehr gestört und deshalb habe ich mich am Ende sogar richtig auf den balinesischen Verkehr gefreut. Den ich vorher auch schon schlimm fand. Und ich möchte gar nicht wissen, wie es in Jakarta ist, wenn es dort noch schlimmer als in Jogja ist,

Vegetarisches Restaurant

An einem Nachmittag wollte ich in einem vegetarischen Restaurant essen, dass auf tripadvisor super gut bewertet ist. Also auf den nächsten Bus warten, etwas im Stau stehen und am Ende nochmal 1km laufen. Nach etwas Suchen hatte ich das Restaurant endlich gefunden, nur um festzustellen, dass es geschlossen war. Nachdem ich mich schon so auf das Restaurant gefreut hatte, habe ich mich entschlossen zu einem anderen Restaurant zu fahren, das vegetarisches Essen anbietet. Das hatte zwar nur 5 Bewertungen, aber die waren gut. Also bin ich wieder zum Bus gelaufen und an das andere Ende der Stadt gefahren. Dann musste ich feststellen, dass die Adresse bei tripadvisor falsch angegeben war und musste mich zu dem Restaurant durchfragen. Das Essen war dann auch lecker, aber nicht unbedingt meine 3h Anfahrt wert.

Shopping

Jogja ist berühmt für seine handgemalte Batik und so gibt es überall Geschäfte, die Batik verkaufen. Außerdem gibt es eine Einkaufsstraße, in der sich ein Geschäft an das andere reiht, teilweise mit hochwertiger handgemalter und teilweise mit einfacher Stempelbatik. In der Straße gibt es auch einen riesigen Markt, wo man glaube ich alle bekommt: es gibt eine sehr große Kleidungsabteilung, Essen, Gewürze und Elektronik. Dort waren die Sachen wirklich sehr günstig und ich habe jetzt auch ein paar Batik-Kleidungsstücke.

Kleidungsmarkt Gewürzmarkt

Prambanan

Nach dem Shoppen war ich zum Sonnenuntergang noch bei Prambanan-Tempel. Zwischen ihm und Borobudur liegen in der Entstehung nicht mal 100 Jahre, trotzdem ist Prambanan hinduistisch, während Borobudur buddhistisch ist. Die beiden Religionen existierten in der Region teilweise parallel. Prambanan besteht aus vielen Türmen, von denen nur noch wenige erhalten oder wiederaufgebaut sind. Für die Zerstörung sorgten Vulkanausbrüche, Erdbeben und Menschen auf der Suche nach Baumaterial. Ich persönlich fand die Tempel nicht ganz so beeindruckend wie Borobudur, aber trotzdem schön.

Prambanan Prambanan Prambanan Prambanan Prambanan

Bei Prambanan erlebte ich dann auch etwas den Ausländer-Fotowahnsinn. Ich lief zusammen mit einer Russin über das Gelände, die auch alleine unterwegs war und wir wurden sehr oft nach Fotos gefragt. Zwei Frauen redeten sehr energisch auf indonesisch auf uns ein und wir hatten keine Ahnung, was sie wollten.

Foto-Wahnsinn

Pujis Familie

Am Abend habe ich mich dann nochmal mit Puji getroffen. Zusammen haben wir Gebäck abgeholt, dass teilweise für die Familie und teilweise als Mitbringsel nach Bali gedacht war und sind zusammen zu ihr nach Hause gefahren. Mir ist das gar nicht so aufgefallen, aber Puji meinte, dass uns alle Leute so anstarren und an der Ampel wurden wir sogar angesprochen. Und ich war die erste Ausländerin in ihrem Haus  Ihr Onkel und zwei Cousins wohnen nebenan und die waren auch da. Und der kleine war voll süß, irgendwie neugierig, aber auch super schüchtern. Wir haben dann noch Fotos gemacht. Ich finde mich ja schon ganz schön braun, aber auf dem Foto sieht es irgendwie so gar nicht danach aus 

Pujis Familie

weitere Beobachtungen

Zwei Fotos, die nicht direkt in das Besichtigungsschema reinpassen habe ich noch. Und zwar habe ich im Hostel an der Decke einen Pfeil gefunden, sodass man direkt in Richtung Mekka beten kann - sehr praktisch  Dann kann man sogar den Körper genau ausrichten und muss sich nicht darauf verlassen, dass es reicht, mit dem Herzen nach Mekka zu beten.

Mekka

Außerdem laufen hier immer überall so viele Tiere rum. Auf Bali sehr, sehr viele Hunde und auch Katzen. Hühner / Hähne sind auch normal, teilweise Kühe. Auch in Jogja habe ich Hühner gesehen, die auf dem Bürgersteig einer nicht gerade kleinen Straße zu Hause waren.

Hühner

Die Woche war etwas stressig, ich musste eine neue Wohnung finden, womit ich einige Abende beschäftigt war. Deshalb hat es mit dem Blogeintrag leider etwas länger gedauert. Am Wochenende stehen dann Umzug und meine erste Surfstunde an!